Feed für
Beiträge
Kommentare

Thomas Engelhardt

faßt wieder einmal – höchst sachlich – ein Tabu-Thema auf. Er schrieb bereits am 1.02.2021 über die „NSdAP. Geschichte und Mitgliederentwicklung“:

Die Geschichte der NSdAP ist komplexer als viele heute vermuten. Die Parteigeschichte wird in der Regel grotesk vereinfacht und nur von ihrem Ende im Mai 1945 aus betrachtet.

Die NSdAP war ursprünglich hinsichtlich politischer Konzeption und Aufgabenstellung eine reine Kaderpartei. Bezüglich ihrer Ent-wicklung müssen drei, bei genauerer Be-trachtung sogar fünf Phasen betrachtet werden.

Berücksichtigung finden muß darüber hinaus die sich verändernde Zahl der Mitglieder so-wie ihre soziale Zusammensetzung. Ebenso muß ihre Wirkmächtigkeit analysiert werden, und zwar sowohl die Wirkung auf das einzel-ne Mitglied als auch auf das Volksganze und das staatliche Gemeinwesen.

Die Mitgliederzahlen:

1929 100.000

1930 130.000

1933 850.000 (nach der Machtübernahme)

1935 2,49 Mill.

1938 2,79 Mill.

1939 5,34 Mill.

1942 7,1 Mill.

1943 7,6 Mill.

Jan. 1945 8,5 Mill.

Mai 1945 8,8 Mill.[1]

Diese Zahlen sprechen für sich.

Zu den Phasen:

  • Kampfzeit 1920-1933 (Gründung 24. Februar 1920 München/Hofbräuhaus)

  • 1923 Verbot und Illegalität

(bereits 1922 ergingen in Baden, Thüringen, Braunschweig, Hamburg, Preußen und Mecklenburg Landesverbote)

  • Febr. 1925 Neugründung der Partei

  • nationalsozialist. Revolution (sog. Machtübernahme)

siehe auch: Erlaß einer Aufnahmesperre ab 1. Mai 1933

  • ab 1935/1936 schleichende Entmach-tung der NSdAP und Ausschluß als gesellschaftlich relevante Kraft

  • Kriegszeit 1939–1945

Im Verlauf der Machtübergabe an die Natio-nalsozialisten und hier besonders nach der Reichstagswahl im März 1933 kam es zu zahlreichen Eintritten in die NSDAP, nicht zuletzt von Beamten und staatlichen Ange-stellten, denen die Mitgliedschaft bis dahin verboten war.

Viele der Antragsteller erhofften sich vom Beitritt berufliche Vorteile oder befürchteten berufliche Nachteile (z. B. Entlassung), wenn sie nicht NSdAP-Mitglied waren. Diese Neu-mitglieder, insgesamt etwa 1.6 Millionen (!), denen „alte Kämpfer“ Opportunismus unter-stellten, wurden als „Märzgefallene“ oder auch sog. Märzveilchen verspottet.

Um ihren Einfluß klein zu halten, erließ die Parteiführung am 19. April 1933 eine Auf-nahmesperre mit Wirkung zum 1. Mai 1933, von der bestimmte Gruppen, so zum Beispiel Mitglieder der SA oder SS, ausgenommen waren.

Diese Sperre wurde erstmals nach vier Jahren mit mehreren Änderungen gelockert. Es wur-de aber auch eine drei-monatige Parteian-wärterschaft eingeführt. Daraufhin kam es zu einer großen Eintrittswelle in die NSdAP.

Von Juni 1937 bis Juni 1938 traten 2,1 Mil-lionen Neumitglieder in die Partei ein.[2] Endgültig aufgehoben wurde die Aufnahme-sperre am erst am 10. Mai 1939.

Zur Mitgliederentwicklung:

Die Partei war grundsätzlich nicht offen für normale Eintritte – außer in ganz bestimmten Jahren.

Nach 1933 erfolgte zunächst eine Aufnah-mesperre. Die Zahl der Eintritte bzw. Aufnah-men in die Partei in den Jahren 1934, 1935 und 1936 war beschränkt und wurde reglementiert.

Der Arbeiteranteil lag vor 1933 (in der Kampfzeit) bei etwa 40 % (sic.). Das wird heute meist verschwiegen. Und auch nach der sog. Machtübernahme lag der Arbeiteranteil unverändert bei 40 % (!). In der Zeit des Krieges (ab 1939) stieg der Frauenanteil bei den Neueintritten auf 30 % , zwischen 1925–1933 waren es im Schnitt nur zwischen 5- 7 %!

Darüber hinaus hatten bis 1930 70 % der Mitglieder, die nach 1925 eingetreten waren, die Partei wieder verlassen.

Die Führung der NSdAP hatte urspr. den Plan, am Charakter einer reinen Kaderpartei festzuhalten.

Weshalb 1933 von dieser Verfahrensweise abgewichen wurde, bleibt bis heute unbe-antwortet. Fest steht, die soziale Zusammen-setzung der Partei wurde in hohem Maße zunehmend inhomogen und die Mitglieder-entwicklung schwankte beträchtlich. Die Entwicklung der Mitgliederzahl (siehe oben ab 1929) suggeriert jedoch wie jede Statistik ein einseitiges Bild.

Insgesamt waren bis 1945 20 Millionen Deutsche als Mitglieder der Partei erfaßt, die Höchstzahl wurde bei Kriegsende im Mai 1945 erreicht (sic.!). Allein in den letzten vier Kriegsmonaten des Jahres 1945 traten mehr als 300.000 Deutsche der NSdAP bei. Die Neumitglieder stammten aus allen Schichten der Bevölkerung.

Anders als es uns nach 1945 und bis heute weisgemacht wurde und wird, hatte sich die NSdAP in den zwölf Jahren des National-sozialismus zu einer wirklichen Volkspartei, zu einer Partei völlig neuen Typus entwickelt.

Die in den ersten Monaten des Jahres 1945 in die Partei eintretenden Neumitglieder waren hauptsächlich junge Menschen, die vom Nationalsozialismus erzogen und geprägt worden waren und regelrecht beseelt waren.[3]

Der reguläre Beitritt zur NSdAP war grund-sätzlich ab dem vollendeten 18. Lebensjahr möglich. Abweichend davon wurde das Auf-nahmealter im Januar 1944 für Angehörige der Hitlerjugend (HJ) und des Bundes Deut-scher Mädel (BDM) auf 17 Jahre herabgesetzt.

Demgegenüber waren jedoch zwischen 1936 und 1945 auch 750.000 Mitglieder aus der Partei ausgetreten oder wurden aus unter-schiedlichen Gründen ausgeschlossen.

Nicht zu vernachlässigen ist auch die Aus-trittswelle der sog. „alten Kämpfer“ in den Jahren 1933 bis 1935, die, enttäuscht über die innere Entwicklung der Partei, diese verließen oder, nachdem sie an den Rand gedrängt worden waren, auch ausgeschlos-sen wurden.

Etwa ab 1934 war eine zunehmende Verbonzung der Partei feststellbar. Der gemäß heutigem Verständnis sogenannte Markenkern war verloren gegangen. Die opportunistischen Mitläufer und Techno-kraten dominierten.

Die Parteimitgliedschaft setzte sich nicht ausschließlich, aber zu einem erheblichen Teil aus Opportunisten und Karrieristen zusammen.

Ein typischer Fall ist Reinhard Heydrich. Nach eigenem Bekunden war er durchaus, wenn-gleich schon in früher Jugend zeittypisch völkisch orientiert, kein überzeugter Nationalsozialist, also alles anders als ideologisiert.

Begründet war dies auch in seiner groß-bürgerlichen Herkunft. Dessen ungeachtet fasziniert seine Persönlichkeit (Violinist, Fechter, Segler, Turner, Skifahrer, ausge-bildeter Jagdflieger, intelligent hochgebildet).[4]

Deutlich gemacht werden soll, daß die NSdAP im BRD-Staat in der Regel völlig falsch bewertet wird. Und noch ein Bonmot am Rande:

Etwa ein Drittel der KPD-Mitglieder (Nov. 1932 Gesamtmitgliederzahl 330.000) wechselten 1933 in die NSdAP (ein weiteres Drittel der KPD-Mitglieder ging ins Exil, darunter mindestens 40.000 in die Sowjet-union, wo wiederum zwei Drittel Stalins Terror zum Opfer fielen).

Tatsächlich wurde die KPD in der Regie-rungszeit Hitlers zu keinem Zeitpunkt ver-boten. Richtig ist, daß sie sich unter dem Druck der Ereignisse 1933 ff. faktisch selbst auflöste, da die Strukturen verloren gingen bzw. zerstört wurden oder nicht mehr existierten.

Einer der Urgroßväter des Autors war in der KPD; er tauchte 1933 einfach ab und es geschah ihm nichts (!!!). Allerdings war er nur kleines Parteimitglied ohne Funktion.

Ein Drittel der KPD-Mitglieder aber waren Politkader und Funktionäre und der Arbeiter-anteil war geringer als in der NSdAP.

Eingegangen werden muß abschließend auch noch auf die schleichende Ausschaltung der Partei als Machtfaktor und Machtsäule des nationalsozialistischen Staates etwa begin-nend ab 1935/1936.

Mit Beginn des Krieges 1939 dominierten die übrigen Machtsäulen des nationalsoziali-stischen Deutschland, die Deutsche Wehr-macht, die SS, die einen alles überragenden Einfluß gewann, und die staatliche und ministerielle Verwaltung.

Und obwohl die Partei mit ihren sieben Gliederungen[5] und Teil- und Unterorga-nisationen[6] sowie den angeschlossenen Verbänden[7] die gesamte deutsche Ge-sellschaft durchdrang, spielte sie im gesell-schaftlichen Gefüge an und für sich nur noch eine marginale Rolle.

Deutlich wird dies nicht zuletzt auch in der Person und Funktion des Stellvertreters des Führers, Rudolf Heß.[8] Dieser hatte im Gesamtgefüge des Staates faktisch keine definierte Funktion und nahm i. G. zu den anderen Führungspersönlichkeiten auch keine besondere Rolle ein.

Die schleichende und faktische Entmachtung der Partei als gestalterische gesellschaftliche Kraft wurde in der Person Rudolf Heß über-deutlich sichtbar.[9]

Dem Stellvertreter des Führers Rudolf Heß waren formal die 18 Reichsleiter der Partei mit ihren Reichsämtern und den zugehörigen Reichsstellen untergeordnet.[10]

Somit war die Funktion des Stellvertreters des Führers formal das zweithöchste Amt inner-halb der NSdAP. In der Realität aber hatte Hitler Rudolf Heß den Ende des Jahres 1932 neu eingerichteten Stabsleiter der Parteior-ganisation nicht unterstellt. Somit hatte Heß keine Amtsgewalt über die ihm formal weiterhin unterstehenden politischen Leiter der NSdAP[11], die das eigentliche Rückgrat der Partei darstellten.

Geführt wurde die Partei bis 1932 vom Reichs-organisationsleiter[12], nach 1932 vom Stabsleiter der Politischen Organisation der NSDAP, ab 1934 erneut vom Reichsorganisationsleiter.[13]

Dieser hatte den Rang eines Reichsleiters der NSdAP inne und war mit allen Macht- und Entscheidungsbefugnissen über die an die Partei angeschlossenen Verbände oder Organisationen ausgestattet. Dieses Amt hatte ab 1932 bis 1945 Dr. Robert Ley[14] inne.

Dagegen hatte R. Heß nur mehr repräsen-tative Funktionen.[15] Hitler hatte Rudolf Heß den Ende 1932 neu eingerichteten „Stabslei-ter der Parteiorganisation“ (Dr. Robert Ley) nicht unterstellt. Somit hatte Heß keine tatsächliche Amtsgewalt und Entscheidungs-befugnis über die ihm formal weiterhin unterstehenden politischen Leiter der NSdAP, die jedoch das eigentliche Rückgrat der Partei darstellten.

Heß gelang es auf seine ihm eigene Art und Weise dennoch, im Hintergrund Einfluß auszuüben. Deutlich wird das, daß es ihm gelungen war, einen eigenen geheimdienst-lichen Auslandsnachrichtendienst, das „Geopolitische Büro“ (bzw. auch „Auslands-wissenschaftliches Institut“ genannt) unter der Leitung von Albrecht Haushofer[16] zu etablieren.

______________

Literatur:

Wolfgang Benz (Hrsg.): Wie wurde man Parteigenosse? Die NSDAP und ihre Mitglieder. Frankfurt am Main: Fischer, 2009.

Jürgen W. Falter (Hrsg.): Junge Kämpfer, alte Opportunisten. Die Mitglieder der NSDAP 1919–1945. Campus Verlag, Frankfurt am Main 2016.

Wieland Giebel (Hrsg.):: „Warum ich Nazi wurde“: Biogramme früher Nationalsozialisten : die einzigartige Sammlung des Theodor Abel Berlin. Berlin: Story Verlag , 2018.

Netzquellen:

https://www.deutschlandfunk.de/untersuchung-der-mitgliederstruktur-ueberraschende-100.html

https://www.faz.net/aktuell/politik/politische-buecher/mitglieder-der-nsdap-davon-ging-die-welt-fast-unter-14966450.html

Ein notwendiger Nachtrag:

Joseph Goebbels kam ursprünglich vom linken Flügel der NSdAP (das war der sog. Strasser-Flügel). Kaum bekannt ist, daß Goebbels in jungen Jahren durchaus mit der KPD sympathisierte.

Später war Joseph Goebbels Sozialist, sozusagen gläubiger Sozialist (aber kein Links-Sozialist).

Die Persönlichkeit Goebbels weitaus auf-schlußreicher beleuchtend als die Bücher von Wilfried von Oven[17] ist folgende Veröffentlichung:

Friedrich Christian Prinz zu Schaumburg-Lippe: Dr. G. Ein Porträt des Propaganda-ministers, Wiesbaden: Limes-Verlag, 1963 (Nachdruck, Symanek, 1999).

Friedrich Christian Prinz zu Schaumburg-Lippe war, obwohl aus dem dynastischen Adel stammend, überzeugter Nationalso-zialist. Hitler verbot ihm aus propagandi-stischen Gründen, den Adelsnamen, wie es dieser vorhatte, abzulegen.[18]

Unbedingt empfehlenswert ist darüber hinaus:

Friedrich Christian Prinz zu Schaumburg-Lippe: Damals fing das Neue an. Erlebnisse und Gedanken eines Gefangenen 1945–1948. Pfeiffer, Hannover 1969.

Es trifft übrigens nicht zu, daß A. Hitler grundsätzlich gegen den Adel eingestellt gewesen sei. Wenn sich Adlige unvoreinge-nommen zum NS bekannten und bereit waren, aktiv mitzuwirken, waren diese anerkannt. Ein Beispiel ist auch Wilhelm von Preußen (1882–1951).

Oder Carl Eduard von Sachsen-Coburg und Gotha (* 1884, † 1954), der unmittelbar nach der Wahl Hitlers in die NSdAP eintrat und dann repräsentative Posten im NS-Staat übernahm.

Max zu Hohenlohe (* 1897, † 1968) nutzte in der Sudetenkrise von 1938 und danach sei-nen Titel und seine Verwandtschaftsbeziehungen, um persönliche Vorteile zu erlangen.

Stephanie zu Hohenlohe (* 1891, † 1972). Als „Spionin Hitlers“ bezeichnete sie die Histori-kerin und Bestsellerautorin Martha Schad in ihrem gleichnamigen Buch.

Die Prinzessin nutzte auch das quer durch Europa gespannte Netzwerk des Hochadels, um für die Nationalsozialisten zu werben und Informationen zu beschaffen.

________________

Anmerkungen

[1]Bei den etwa 300.000 Neumitgliedern, die in den letzten Kriegsmonaten zwischen Januar und Mai 1945 in die Partei eintraten, handelte es sich überwiegend um junge Personen des Geburtsjahrgangs 1927, die zum Volkssturm eingezogen wurden. Parteieintritt und Einberufung waren in dieser späten Phase oft direkt aneinander gekoppelt.

[2]Qu.: Juliane Wetzel: Die NSDAP zwischen Öffnung und Mitgliedersperre. In: Wolfgang Benz (Hrsg.): Wie wurde man Parteigenosse? Die NSDAP und ihre Mitglieder. Frankfurt am Main: Fischer, 2009.

[3]Vgl. Fußn. 1.

[4]R. Heydrich ist eine der interessantesten Führungspersönlichkeiten des nationalsozialistischen neuen Deutschland. In gewisser Weise erinnert er an den SED-Politkader Werner Lamberz (* 14. April 1929 in Mayen, † 6. März 1978 am Wadi Suf al-Jin, Libyen), Mitglied des Politbüros des Zentralkomitees der SED in der DDR, der ebenfalls einem Attentat zum Opfer fiel. Die Reinhard Heydrich heute zur Last gelegten Anschuldigungen, er wäre Organisator des Holocaust gewesen, entbehren nach kritischer Bewertung aller bekannten Fakten der Grundlage.

[5]Nationalsozialistische Frauenschaft, Nationalsozialistischer Deutscher Studentenbund, SA, SS, Nationalsozialistisches Kraftfahrerkors NSKK, HJ u. (ab 1935) der Nationalsozialistische Dozentenbund. Diese Parteigliederungen hatten dabei keine eigene Rechtspersönlichkeit (genauso wenig wie die vier Organisationen Nationalsozialistische Kulturgemeinde, Reichsbund der Kinderreichen (dieser wurde vom Rassepolitischen Amt der NSdAP betreut), Deutscher Gemeindetag sowie das Deutsche Frauenwerk).

[6]Nationalsozialistischer Reichskriegerbund (bestand bis zum 3. März 1943, bis 1938 als Kyffhäuserbund), Rassen-politisches Amt der NSdAP (unterstand dem Stellvertreter des Führers) , Reichsarbeitsdienst (RAD), Reichsbund Deutsche Familie (auch: Kampfbund für den Kinderreichtum der Erbtüchtigen).

[7]Deutsche Arbeitsfront (DAF), Nationalsozialistische Volkswohlfahrt (NSV), Nationalsozialistische Kriegsopferver-sorgung (NSKOV),  (bis 1943) Nationalsozialistischer Lehrerbund (NSLB), Nationalsozialistischer Rechtswahrer-bund (NSRB) (bis 1936 Bund Nationalsozialistischer Deutscher Juristen – BNSDJ), Nationalsozialistischer Deutscher Ärztebund (NSDÄB), Reichsbund der Deutschen Beamten.

[8]Der Stab des Stellvertreters des Führers stellte eine Berliner Außenstelle der Reichsleitung der NSdAP im Braunen Haus in München dar. Die Aufgaben der Reichsleitung bestanden in der Festlegung und Überwachung der Richt-linien für die politische Zielsetzung des deutschen Volkes.

[9]Am 21. April 1933 ernannte Hitler Heß zu seinem Stellvertreter in der NSDAP. In dieser Funktion nahm er ab Juni 1933 an den Sitzungen des Kabinetts teil. Seit Dezember 1933 war er als Reichsminister ohne Geschäftsbereich auch offiziell dessen Mitglied.

[10]Diese achtzehn Reichsleiter hatten den höchsten Parteirang und übten die höchsten parteipolitischen Ämter in der NSDAP aus. In der Parteihierarchie unterstanden die Reichsleiter entweder nur Hitler oder dessen Stellvertreter, in deren Auftrag sie ihnen zugewiesene Aufgaben im gesamten erfüllten. Die Reichsleiter bildeten die Reichsleitung der NSDAP, die ihren Sitz zunächst im so genannten Braunen Haus in München hatte. Der Stab des Stellvertreters des Führers in Berlin war eine Außenstelle der Reichsleitung im Braunen Haus. Einige Reichsleiter waren Mitglieder der Reichsregierung im Kabinett Hitler.

[11]Die Bezeichnung Politischer Leiter (in der Anfangszeit der NSdAP auch „Amtswalter“) war ein Sammelbegriff für den hierarchisch organisierten, haupt- und ehrenamtlichen Führungskader der Partei, die direkt Adolf Hitler unterstanden. Die Politischen Leiter (Reichsleiter, Gauleiter, Kreisleiter, Ortsgruppenleiter, Zellenleiter, Blockleiter) waren für die weltanschauliche Schulung, politische Überwachung und propagandistische Steuerung der Bevölkerung zuständig. Die Hierarchie der Politischen Leiter reichte von der obersten Ebene bis zur kleinsten organisatorischen Einheit, geordnet von oben nach unten.

[12]Der „Reichsorganisationsleiter der NSDAP“ war für alle Angelegenheiten der Bearbeitung der Organisationsfragen und sämtlicher der Partei angeschlossenen Verbände zuständig, ebenso verantwortlich für die Auswahl und Schulung des Führungskorps der NSDAP. Ihm waren deshalb das Hauptorganisationsamt, das Hauptschulungsamt und das Hauptpersonalamt unterstellt (Stand: 1944).

[13]Im November 1934 legte A. Hitler die Aufgaben des Stabsleiters der Politischen Organisation der NSDAP auf „Aufbau, Ausbau und Überwachung der inneren Organisation, Schulung und Personal-Statistik der Partei-organisation“ fest und benannte das Amt wieder in Reichsorganisationsleiter um.

[14]Dr. Robert Ley, * 15.02.1890 Nürnbrecht-Niederbreidenbach (Rheinprovinz), † 25.10.1945 Nürnberg (Suizid).

[15]Dessen ungeachtet wuchs die Dienststelle Heß bis 1936 auf 172 Mitarbeiter und verfügte mit dem Beauftragten für außenpolitische Fragen Joachim von Rippentrop sowie der Rudolf Heß unterstehenden Auslandslorganisation der NSDAP über eigene wenngleich nur marginale Machtinstrumente, um auf die Außenpolitik Einfluss zu nehmen. Darüber hinaus etablierte die Dienststelle sogar einen eigenen Geheim- und Nachrichtendienst. Erst in den Jahren nach 1936, als sich Hitler zunehmend der Außenpolitik zuwandte und ab 1939 der Kriegsführung widmete, schwand der Einfluß von Rudolf Heß zunehmend.

[16]Albrecht Haushofer, * 7. Januar 1903 München, † 23. April 1945 Berlin (erschossen).

[17]Wilfried von Oven: Dr. G. Meister der Propaganda. Bingen am Rhein: Symanek, 1999.– Ders.: Mit Goebbels bis zum Ende. [2. Aufl.]. Buenos Aires: Dürer-Verl., 1950,  (auch als Finale Furioso. Mit Goebbels bis zum Ende. Tübingen: Grabert, 1974) – Ders.: Wer war Goebbels? Biographie aus der Nähe. Berlin: Herbig, 1987.

[18]Friedrich Christian Prinz zu Schaumburg-Lippe, * 5. Januar 1906 in Bückeburg; † 20. September 1983 in Wasserburg am Inn, ab 1933 fungierte er als Adjutant von Goebbels und war dadurch einer seiner engsten Mitarbeiter im Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda.

Ältere Beiträge »