Aufrecht in höchster Gefahr
Montag, 23. Februar 2026 von Adelinde |
Erich Ludendorff
warf sich nicht hin, auch nicht im schlimmsten gegnerischen Kugelhagel. Man wunderte sich schon 1923, als er in dem Demonstrationszug aufrecht weiterschritt:
Die Kanone von der Feldherrnhalle war bedrohlich auf die Demonstranten gerichtet, und etliche „Schützen“ schossen im Auftrag der Linksregierung mit ihren Gewehren auf die Demonstranten. Viele, so auch Adolf Hitler, warfen sich hin. Vielen nützte das nichts, sie wurden erschossen.
Ludendorff aber schritt aufrecht durch den Kugelhagel.
Das war nicht das erste Mal, daß er aufrecht und ungedeckt im Kugelhagel des Feindes vorwärts schritt. Bei Lüttich im Häuserkampf erlebten es die Kameraden. Einer von ihnen berichtet*:
*) Erich Ludendorff – Sein Wesen und Schaffen, München 1938, S. 205 ff.
Auf dieser Straße stießen wir auf einen selt-samen Haufen, den wir nach kurzem Lauf einholten: ein feuerbereites Geschütz und ein Munitionswagen wurden, die Schutzschilde hochgeklappt, nebeneinander von Artilleri-sten, Infanteristen und Jägern, im ganzen etwa 20 Mann, stetig vorwärts geschoben. Alles ballte sich wie ein Bienenschwarm hinter den beiden Fahrzeugen zusammen.
Nur ein älterer hochgewachsener Offizier, im Mantel und Feldmütze, ging aufrecht vor der mannsbreiten Lücke zwischen Geschütz und Munitionwagen vor. Ich sah an den roten Pas-peln des Mantelgürtels und der Schoßta-schen, daß es ein General war.
Seine Stimme fiel mir sofort auf. Nicht in scharfem Kommandoton, sondern beruhi-gend und väterlich mahnend hörte ich seine Worte:
„Vorwärts, immer vorwärts, Kinder! … Nun kommt doch mit, immer vorwärts, laßt mich doch nicht alleine gehen!“
Es war ein Wunder: als wäre er unverwundbar, ging er, jede Deckung verschmähend, in dem langsamen Zeitmaß, in dem ein Geschütz von Menschenhänden vorwärts geschoben werden kann, aufrecht durch das heftige Feuer, das unsichtbare feindliche Schützen aus Keller-, Haus- und Bodenfenstern aus nächster Nähe auf uns richteten.
Wie Paukenschläge dröhnten die feindlichen Geschosse auf die Schutzschilde, wie schwere Hammerschläge schlugen sie auf das Stra-ßenpflaster und pfiffen und zischten über und neben den Schutzschildern dahin. Dann wies der General auf ein aus der Häuserflucht vorspringendes Haus, aus dem das Feuer zu kommen schien, und gab dem Geschütz den Befehl: „Schuß!“
Ein einziger, brüllender Krach von Abschuß und Einschlag in eine 50 bis 100 Meter ent-fernte Häuserwand! Ein prasselndes Krachen von stürzenden Wänden, Mauersteinen und Dachziegeln, ein klirrendes Splittern von zahllosen Fensterscheiben. Eine Wolke von Mauerstaub und Rauch versperrte für Minuten jede Sicht. Dann herrschte Totenstille, als hätte eine überirdische Gewalt dem Lärm plötzlich Ruhe geboten.
Dann ging es wieder etwa 50 Meter ohne jede Störung flott vorwärts, bis erst in einzelnen Schüssen, dann schnell anschwellend, das feindliche Gewehrfeuer wieder auflebte. Ich ging gebückt hinter dem dichten Haufen, der an dem Schutzschilde des Geschützes klebte. Über den oberen Rand hinweg ging mein Blick ständig hin und her, nach vorn und auf den General.
Mich beherrschte nur noch der Gedanke an ihn: Jetzt! Jetzt! Jetzt muß er umkippen. Wie ein Baum im Walde, unter der kreischenden Säge. Aber er kippte nicht. Nach halb rück-wärts gewandt befahl er wieder: „Schuß!“ Wieder das brüllende Getöse – und wieder Totenstille …
Ludendorff war eigentlich nur als Zuschauer und ohne Befehlsgewalt da und hat nach dem Tode des Generals von Wussow die Führung der Brigade übernommen, und von den sechs Bri-gaden, die von allen Seiten zum Sturm auf Lüttich eingesetzt waren, ist Ludendorffs Brigade die einzige gewesen, die den Fort-gürtel durchstoßen hat. Die fünf anderen Brigaden sind restlos abgeschmettert worden.
… Hoch aufgerichtet steht General Luden-dorff zwischen den Geschützen, immer wieder schreitet er mit ihnen vorwärts, die Geschütze folgen. Ein Kampf ohnegleichen geht vor sich.
Bewundernd und bangend zugleich sind die Blicke der in seiner Nähe befindlichen Offi-ziere auf General Ludendorff gerichtet. Von ihm gehen ungeahnte Kräfte auf Offiziere und Mannschaft über. Beispiel und Wille gehen über jedes Maß hinaus.
Früh um 6 Uhr 30 Min. am 6. August 1914 ist der Westrand von Queue du Bois erreicht. Vor der Brigade liegt Bellaire, von dort fallen nur noch vereinzelte Schüsse …
Die Macht seiner Persönlichkeit zeigte sich kurz darauf nochmals in erstaunlicher Weise, als die Not-wendigkeit der Einnahme der Zitadelle ein Vorgehen erforderte, das nur ein General Ludendorff erfolg-reich durchführen konnte:
In der Annahme, daß Oberst von Oven auf der Zitadelle sei,
schreibt General Ludendorff in seinen Kriegser-innerungen,
fuhr ich mit dem Brigade-Adjutanten in einem belgischen Kraftwagen, den ich mir nahm, dorthin voraus. Kein Deutscher Soldat war dort, als ich eintraf. Die Zitadelle war noch in feindlicher Hand. Ich schlug an das verschlossene Tor. Es wurde von innen ge-öffnet, die paar hundert Belgier ergaben sich mir auf meine Aufforderung.
So schlicht ist die Schilderung eines Handlungs-erfolges, der nur einer überragenden, zwingenden Persönlichkeit wie Erich Ludendorff möglich war: Ein Einzelner erklärt Hunderten von feindlichen Soldaten und Offizieren, sie seien gefangen genommen, und sie ergeben sich!
Die 14. Brigade wurde dann nachgezogen, die Zitadelle besetzt und zur Verteidigung einge-richtet.
… Der Heeresbericht meldete am 8. August 1914:
„Die Festung Lüttich ist genommen.“
… Der Eindruck der Tat war ungeheuer in der ganzen Welt. Der Auftrieb, den die Stimmung in Deutschland erhielt, wirkte sich gewaltig und zuversichtlich aus.
Der Name Ludendorff aber wurde kaum genannt!
Dabei waren seine unerschrockenen Taten zu einem
welt- und kriegsgeschichtlich gewordenen Begriff „Lüttich“
geworden und
findet General Ludendorff den geschlossen-sten und erhabensten Ausdruck seiner gan-zen, stolzen Männlichkeit, wie es sonst wohl niemals einem großen Manne eines Volkes in so ausgeprägter Form beschieden worden ist.
Und als eine Seltenheit zeigt sich der Berichterstat-ter, wenn er Ludendorff eine Anerkennung zukom-men läßt, die das linksverhetzte Deutsche Volk ihm versagte:
In Dankbarkeit, Treue und Ehrfurcht neigen wir uns vor ihm, der bis in seines Lebens letzter Stunde wie bei Lüttich uns voran-schritt im Ringen und im Kampf um den Bestand eines völkischen Deutschland!