Der letzte Brief von Michael Fritsch
Mittwoch, 24. Juni 2026 von Adelinde |
Der letzte Brief von Michael Fritsch
11. Juni 2026
Auf Telegram kursiert ein Brief, der von Johannes Heyder in dem inzwischen archi-vierten Kanal der Unterstützer von Michael Fritsch veröffentlicht wurde. Er ist ein Zeugnis dafür, was „Rechtsstaat“ in Deutschland heute noch bedeutet.
Wer Michael Fritsch nicht kennt: der Ex-Schutzmann mit Herz und Hirn gilt als einer der „Reichsbürger“ und Mitglied der soge-nannten „Rollator-Gang“, die in Deutschland angeblich die Regierung „wegputschen“ wollte.
Die extreme Dauer der „Untersuchungshaft“ und die bestenfalls mehr als dürftigen Be-weise, die gegen ihn und seine Mitange-klagten bis jetzt vorliegen, sprechen eine deutliche Sprache über den Fall, auf den hier aber nicht näher eingegangen werden soll. Details zur Situation von Michael Fritsch findet man im Artikel von Johannes Heyder.
Das Problem, das in diesem „letzten Brief“ resultiert: jedwede Kommunikation mit Michael führt dazu, daß er nicht aus der Haft entlassen wird. Daher schrieb er nach 1.280 Tagen, das entspricht über 30.700 Stunden verlorener Freiheit in Untersuchungshaft, seinen letzten Brief, mit dem er jegliche Kommunikation nach außen beendet.
Im folgenden werden sein Brief und das Statement des Kanalbetreibers 1:1 weiter gegeben. Möge sich jeder Leser selbst seine Gedanken machen, was man von einem derartigen „Rechtsstaat“ halten kann.
Der Brief
Liebe Herzensmenschenfamilie,
DIESER KANAL WIRD GESCHLOSSEN!
Mit dieser letzten Nachricht möchte ich mich ganz herzlich bei Ihnen/Euch bedanken und auch erklären WARUM:
Nach nunmehr fast 3½ Jahren Untersu-chungshaft stellten meine Anwälte einen Haftprüfungsantrag. Begründet wurde dieser mit der Infragestellung der Verhältnismä-ßigkeit im Falle einer zu erwartenden Freiheitsstrafe im Fall einer Verurteilung.
Der Antrag wurde mit Beschluß vom OLG Frankfurt am 8. Mai 2026 abgelehnt und die Haftfortdauer angeordnet.
Begründet wurde eine FLUCHTGEFAHR u.a. wie folgt:
„[…] Hochwahrscheinlich keine nen-nenswerte fluchthemmende Wirkung haben dürfte und ein Untertauchen im In- und Ausland möglich scheint, ergibt sich auch aus dem Umstand, daß der Angeklagte Fritsch weiterhin sein be-stehendes Netzwerk Gleichgesinnter, die den Angeklagten zahlreich durch finan-zielle Zuwendungen in nicht unerhebli-cher Höhe unterstützen, pflegt. So unterhält er fortlaufend umfangreich brieflichen Kontakt, aber verbreitet auch Nachrichten […] über Social-Media-Kanäle.“
und weiter heißt es etwas später:
„Inwieweit hier mit einer Abkehr des Angeklagten von der Szene der sog. ‚Coronaleugner‘, ‚Reichsbürger‘ und ‚Selbstverwalter‘ verbunden ist, ist fraglich und bleibt abzuwarten.“
Bei dieser Begründung sehe ich mich in diesem freiheitlich-demokratischen Rechtsstaat und trotz der verfassungs-rechtlich garantierten Meinungsfreiheit leider dazu veranlaßt, Sie/Euch alle darum zu bitten, jegliche Form der Kontaktaufnahme und auch der finanziellen Unterstützung einzustellen!
Aus dem vorgenannten Grunde werde ich auch keine Briefe mehr beantworten! Wei-terhin werde ich veranlassen, daß alle nach der Veröffentlichung dieser Botschaft im Telegram-Kanal auf meinem Haftkonto bei der JVA Weiterstadt/dem VCC Südhessen eingehenden finanziellen Zuwendungen vollständig zurückgebucht werden, auch wenn das mit einem recht hohen bürokra-tischen Aufwand verbunden sein dürfte.
Mein Wunsch wäre es, daß diese Information als letzte Nachricht im dann geschlossenen Kanal sichtbar bleibt und diese vielleicht auch an weitere Herzensmenschen weitergeleitet wird, damit auch diese sich an die „erforder-lichen Bedingungen“ halten:
Bitte behaltet mich in positiver Erinnerung – WIR SEHEN UNS EINES TAGES WIEDER AUF DEN STRASSEN, SCHULTER AN SCHULTER FÜR FRIEDEN, FREIHEIT, WAHRHEIT, GERECHTIG-KEIT UND NÄCHSTENLIEBE UND FÜR DEMOKRATIE!
Bevor ich nun „unsichtbar“ werde, möchte ich Ihnen/Euch noch einige Zitate aus meiner mittlerweile beachtlich angewachsenen Sammlung mit auf den Weg geben:
„Durch die Aufspaltung der Wähler in das politische Parteiensystem können wir sie dazu bringen, ihre Energie für Kämpfe aufzubrauchen, für Fragen, die keinerlei Bedeutung haben.“ (Montagu Norman, von 1920–1944 Gouverneur der Bank of England, bei einer Rede vor der Bankiers-vereinigung der USA in New York)…
„Regierungen mögen Epidemien, genauso wie sie den Krieg mögen. Es ist eine Chance, uns ihren Willen aufzuzwingen und uns alle in Angst und Schrecken zu versetzen, damit wir uns zusammen-kauern und das tun, was uns gesagt wird.“ (Dr. Damian Downing, Präsident der Britischen Gesellschaft für ökologi-sche Medizin [Al Jazeera, 2009])
„Du kannst die Verhältnisse nicht ändern, indem du die existierende Realität be-kämpfst. Um etwas zu verändern, er-schaffe ein neues Modell, das das alte obsolet macht.“ (Buckminster Fuller)
„Die Bürger werden eines Tages nicht nur die Worte und Taten der Politiker zu be-reuen haben, sondern auch das furcht-bare Schweigen der Mehrheit.“ (Bertolt Brecht)
„Wenn kein Mensch mehr die Wahrheit suchen und verbreiten wird, dann ver-kommt alles Bestehende auf der Erde, denn nur in der Wahrheit sind Gerech-tigkeit, Frieden und Leben.“ (Friedrich von Schiller)
Vermutlich wörtlich so geschrieben, Quelle/Zitat unsicher:
„Was war Ihre größte Enttäuschung?“ – „Die Erkenntnis, daß auch intelligente Menschen Feiglinge sein können und daß Mut eine viel seltenere Eigenschaft ist als Intelligenz.“ (Julian Assange)
„Sie fürchten die Liebe, weil sie eine Welt schafft, die sie nicht kontrollieren kön-nen.“ (George Orwell)
„Glaubt nicht, ihr hättet Millionen Feinde. Ein einziger Feind heißt – Krieg.“ (Erich Kästner)
„Verbunden werden auch die Schwachen mächtig.“ (Friedrich von Schiller)
„Auf einfache Wege schickt man nur die Schwachen.“ (Hermann Hesse)
„Es gibt keinen Weg zum Frieden, Frieden ist der Weg.“ (Mahatma Gandhi)
In diesem Sinne:
FRIEDE SEI MIT EUCH/IHNEN!
Michael Fritsch
Ex-Schutzmann mit Herz und Hirn
Weiterstadt, den 25. Mai 2026Die Erklärung des Kanalbetreibers
Der Fall Michael Fritsch: Wenn Solidarität zur Gefahr wird – Wie das System kriminalisiert
Bereits vor längerer Zeit habe ich in diesem Artikel beschrieben, warum ich den Fall Michael Fritsch als Beispiel dafür sehe, wie ein System Menschen kriminalisieren kann:
Michael Fritsch und ich kannten uns lange, bevor er bei der Basis aktiv wurde.
Wir lernten uns über das FWO-Konzept kennen. Er besuchte mich, wir diskutierten stundenlang über friedlichen Wandel, Basisdemokratie, Recht, Freiheit und die Frage, wie man eine bessere Gesellschaft aufbauen kann. In Berlin standen wir zusammen auf der Bühne. 😎
Michael war kein geborener Basisdemokrat. Er war zutiefst Polizist. Ein Mensch mit einem ausgeprägten Gerechtigkeitsempfinden. Er hoffte, innerhalb des Systems etwas verän-dern zu können. Diese Hoffnung wurde enttäuscht.
Seit dem 07.12.2022 sitzt Michael nun in Untersuchungshaft.
Heute sind das 1.280 Tage. Das entspricht über 30.700 Stunden verlorener Freiheit.
Zudem wurde Michael nicht nur seiner Frei-heit beraubt. Er wurde belogen, betrogen, ausgebeutet, enteignet und beklaut. Die Folgen reichen weit über die Haft hinaus und betreffen sein gesamtes Leben.
Dieses Unrecht brachte mich dazu, trotz der Erkenntnisse, die ich bereits in meinem frü-heren Artikel beschrieben hatte, meine Unterstützung fortzusetzen. Zudem war alles mit Michael abgesprochen.
Mir/uns war bewußt, daß dies Risiken mit sich bringen könnte. Was ich jedoch nicht erkannt habe, war, wie weitreichend die Auswirkungen tatsächlich werden würden und wie groß die Unterstützung werden würde, die dadurch ausgelöst wurde.
Für diese Unterstützung bin ich zutiefst dankbar. Gleichzeitig bedaure ich heute zutiefst, daß ich aus den Erkenntnissen meines eigenen Artikels nicht früher die notwendigen Konsequenzen gezogen habe.
Natürlich folge ich seinen Wünschen und stelle den aktiven Betrieb dieses Kanals ein. Der Kanal bleibt als Archiv bestehen.
Ich werde jegliche Brücken zu Michael abbre-chen. Ich werde keinen Kontakt mehr zu ihm halten, nicht mehr über ihn schreiben, ihn weder unterstützen noch Fragen zu ihm beantworten.
Diese Entscheidung bedeutet nicht, daß ich meine grundsätzliche Kritik aufgebe. Im Gegenteil: Ich bin weiterhin überzeugt, daß das bestehende System Menschen krimina-lisiert und daß wir neue Wege schaffen müssen.
Die einzige Möglichkeit, die ich derzeit sehe, um Michael langfristig zu rehabilitieren und ähnliche Entwicklungen künftig zu verhin-dern, liegt im FWO-Konzept. Deshalb werde ich diesen Weg weiterverfolgen.
Wenn meine Solidarität, meine Veröffentli-chungen oder mein Engagement auch nur einen kleinen Beitrag dazu geleistet haben sollten, seine Situation zu verschlechtern, dann bedaure ich das zutiefst.
Michael bleibt mein Freund. Er ist in meinen Gedanken.
Ich wünsche ihm Kraft, Gesundheit und daß er eines Tages wieder in Freiheit leben kann.
Johannes Heyder @ZielFWO