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Funk hielt diese Rede nur fünf Tage nach Hitlers Erlaß zur Rüstung vom 10. Januar 1942, was bedeutet, daß die „Europäische Wirtschaftsgemeinschaft“ im Zusammenhang mit den Grundsatzentscheidungen des Win-ters 1941/42 für eine massive Steigerung der deutschen Rüstungsproduktion zu sehen
ist.

Mit anderen Worten, es sollten nun alle ver-fügbaren Kräfte, auch die Europas, für die deutsche Rüstung und Kriegführung einge-spannt werden.

Noch im gleichen Jahr fungierte Reichsmini-ster Funk als Herausgeber für den Sammel-band „Europäische Wirtschaftsgemeinschaft“.

Dieser enthielt zehn Beiträge von Wirt-schaftsprofessoren, führenden Wirtschafts-funktionären, Mitarbeitern des Auswärtigen Amtes, des Reichsarbeitsministeriums und von Wirtschaftsorganisationen der NSDAP, die im Rahmen einer Vortragsreihe in den ersten Monaten des Jahren 1942 in Berlin entstanden waren.

Obwohl nicht bekannt ist, ob Hitler dieses Buch je gelesen oder zur Kenntnis genommen hat, so besitzt es durch die Herausgeber-schaft des amtierenden Wirtschaftsministers Walther Funk und durch die Tatsache, daß dieser auch den ersten Sachbeitrag verfaßte, offiziösen Charakter.

Die ganze Bedeutung des Sammelbandes „Europäische Wirtschaftsgemeinschaft“ wird erst richtig deutlich, wenn man ihn in Zu-sammenhang mit Hitlers Ausführungen zum Thema Europa in seiner Reichstagsrede vom 10. Januar 1942 sieht.

In der Einführung zu „Europäische Wirt-schaftsgemeinschaft“ stellt Prof. Dr. Heinrich Hunke, Gauwirtschaftsberater der NSDAP, fest, daß die bisher vorherrschende liberale Wirtschaftsauffassung Englands im Begriff sei, abgelöst zu werden.

Es bestehe nunmehr die Notwendigkeit einer politischen Ordnung für die wirtschaftliche Zusammenarbeit der Völker. Grundsätze seien: Achtung vor dem Volkstum, Ausschöp-fung der eigenen Wirtschaftskräfte und langfristige Wirtschaftsverträge; erforderlich sei eine staatliche Wirtschaftslenkung, aber keine Planwirtschaft; zwischen den einzelnen europäischen Volkswirtschaften müsse Solidarität herrschen; der Außenhandel sei nicht über Gold, sondern Ware gegen Ware abzuführen.

Prof Hunke schließt mit den Worten:

„So stehen wir seit 1940 in einer wirt-schaftspolitischen Umwälzung ohne-gleichen. Die Probleme, die sie uns stellt, sind schwer, aber lösbar. Ihre Lösung aber wird Europa den ersehnten Frieden schenken und damit eine große Epoche des gemeinsamen Aufbaues einleiten, für die es zu kämpfen und zu arbeiten lohnt.“

In seinem Beitrag „Das wirtschaftliche Gesicht des neuen Europa“ erklärt Reichsminister Funk, daß der Sinn dieses Krieges darin bestehe,

„einen gesicherten Baugrund für eine wirklich soziale Lebensordnung in Europa zu schaffen.“

An die Stelle der Wirtschaftsfreiheit des Kapitalismus würden nunmehr die Prinzipien der „Gemeinschaftsarbeit und Wirtschafts-freiheit“ treffen. Die Schicksalsgemeinschaft der europäischen Völker erfordere eine kontinentale europäische Zusammenarbeit, ein europäischer Wirtschaftsraum werde auch blockadefrei sein.

Die Zeit für die europäische Wirtschaftsein-heit sei gekommen, das Wort Arbeitslosigkeit werde im europäischen Wirtschaftsdenken nicht mehr zu finden sein. Funk beendet seinen Beitrag mit den Worten:

„Der Wille zur europäischen Gemein-schaftsarbeit, so wie er jetzt unter dem harten Druck der Kriegsverhältnisse geprägt wird, muß der Leitgedanke der herrschenden Wirtschaftsgesinnung auch in Friedenszeiten sein …

Das bedeutet aber auch die Bereitschaft, die eigenen Interessen im gegebenen Falle denen der europäischen Gemein-schaft unterzuordnen …

Uns liegt nicht wie England daran, unsere Handelspartner wirtschaftliche möglichst schwach zu sehen. Wir sind im Gegenteil daran interessiert, daß sie möglichst stark sind. Wir zahlen nicht nur durch hohe Preise bewußt ihre agrarischen Entwicklungskosten, sondern fördern ebenso sehr auch eine vernünftige In-dustrialisierung, selbst wenn wir uns damit scheinbar Konkurrenten heranziehen …

Wir tun dies, weil wir wissen, daß seine Industrie … ständig neue Wünsche und neuen Bedarf weckt, den allgemeinen Lebensstandard verbessert und damit auch unserer Wirtschaft zugute kommt …

Die neue europäische Wirtschaft wird die Erfüllung ihrer sozialen Verpflichtungen als ihre vornehmste Aufgabe zu betrach-ten haben.

Der Krieg unserer Tage, der nicht zuletzt um eine neue Wirtschaftsordnung geht, ist damit zugleich das entscheidende Stadium einer sozialen Revolution.“

Dr. Horst Jecht, Professor an der Wirt-schaftshochschule Berlin, konstatiert in seinem Beitrag „Die Entwicklung zur euro-päischen Wirtschaftsgemeinschaft“, daß die europäische Zusammenarbeit nicht der Unterwerfung unter einen einzigen staatli-chen Willen bedürfe, sondern vielmehr in freiwilliger Zusammenarbeit erfolgen müsse.

Die wirtschaftliche Lage des heutigen Europa könne mit jener Deutschlands vor der Grün-dung des Zollvereins verglichen werden. Friedrich List, der Vorkämpfer der zollpoliti-schen Einigung Deutschlands, befürwortete in den letzten Jahren seines Lebens die Erweite-rung des Zollvereins zu einem mitteleuropäi-schen Wirtschaftsbündnis unter Einbeziehung Ungarns und der Bal
kanstaaten.

List war damit der geistige Ahnherr aller späteren „Mitteleuropa“-Pläne. Die wirt-schaftliche Einigung des Neuen Europas sei in erster Linie durch langfristige Wirtschaftsver-träge zu erreichen.

Angesichts der weltweiten Tendenz zur Bildung wirtschaftlicher Großräume habe Europa gar keine andere Wahl, als seine Existenz „durch Ausbau und Pflege seiner eigenen Wirtschaftskräfte“ zu behaupten.

In seinem Beitrag „Europäische Landwirt-schaft“ bezeichnet Prof. Dr. Emil Woermann von der Universität Halle es als vorrangige Aufgabe für alle wichtigen Industriestaaten, die landwirtschaftliche Produktion soweit zu sichern, daß die Ernährung des Volkes aus eigener Kraft gewährleistet werden könne.

Der Weltkrieg 1914/18 habe die verhäng-nisvollen Folgen der Auslandsabhängigkeit zur Genüge gezeigt, Deutschland und Italien hätten daraus die Konsequenzen gezogen.

Eine Steigerung der europäischen Lebens-mittelproduktion, d. h. die Steigerung der Hektarerträge müsse angesichts der Kriegslage mit allen Mitteln gefördert, den südosteuropäischen Ländern landwirtschaft-liche Entwicklungshilfe gewährt werden.

Zur Eindämmung der Landflucht sei ein aus-gewogenes Wachstum von Landwirtschaft und Industrie notwendig.

Dr. Anton Reithinger von der I. G. Farben zeichnete in „Europäische Industriewirtschaft“ zunächst die Geschichte der Industrialisie-rung im 19. Jahrhundert nach, um anschlie-ßend auf den relativen Bedeutungsverlust einzugehen, den die europäische Industrie durch den Weltkrieg 1914/18 und den Auf-stieg der USA, Japans und Sowjetrußlands erlitten hatte.

Reithinger betonte, daß das „neue Europa“ im Augenblick nur eine „militärische Tatsache“ sei, die durch die „deutschen Siege in Europa und die britische Blockade gegen das Fest-land“ geschaffen wurde.

Die „Europäische Wirtschaftsgemeinschaft“ sei noch keineswegs eine „gegebene Tat-sache“, sondern vielmehr

„ein politisches Ziel, das durch sorgfältig überlegte, wirtschaftliche, technische und psychologische Maßnahmen unter-stützt und erst mühsam erreicht werden“

müsse. An die Stelle von „Abschließung und feindlicher Konkurrenz“ müsse in Europa künftig der „Grundsatz der gegenseitigen Zusammenarbeit“ treten.

Von ebenso großer Bedeutung seien die Grundsätze der „Vollbeschäftigung“ und einer

„regionalen Ordnung von Erzeugung und Absatz im gesamteuropäischen Raum“.

Nicht nur die alten Industrieländer, sondern auch die bisher agrarischen Randgebiete Europas sollten „neue industrielle Entwick-lungsimpulse“ erhalten, die zu einer

„Erhöhung der Lebenshaltung aller europäischen Länder“

führen könnten.

In seinem Beitrag „Der Arbeitseinsatz in Europa“ bezeichnete Dr. Philipp Beisiegel vom Reichsarbeitsministerium „225 Millionen schaffender Menschen“ als einen „ungeheu-ren Reichtum Europas.“

In Anbetracht des regional sehr unter-schiedlichen Bedarfs sei ein innereuro-päischer Austausch von Arbeitskräften notwendig. Dies betreffe gegenwärtig in erste Linie Deutschland, das kriegsbedingt einen sehr hohen Bedarf an ausländischen Arbeitskräften habe; dieser werde zwar nach Kriegsende wieder stark zurückgehen, trotzdem werde ein innereuropäischer Arbeiteraustausch künftig zur europäischen Normalität gehören.

Es verstehe sich von selbst, daß der auslän-dische Arbeiter den gewohnten Schutz für Leben und Gesundheit genieße, Anwart-schaften und Rechte auf sozialem Gebiet müßten gewährleistet sein, außerdem Regelungen für den Transfer von ersparten Arbeitslöhnen getroffen werden. Beisiegel schloß mit den Worten:

„Der zwischenstaatliche Arbeitseinsatz wird wesentlich dazu beitragen, die Völker Europas noch näher zueinander zu bringen und sich gegenseitig kennen und ergänzen zu lernen. Bei der Fülle der Aufgaben, die die europäische Wirt-schaftsgemeinschaft zu lösen haben wird, wird der schaffende Mensch, der europäische Arbeiter, eine entscheidende Rolle spielen.“

In seinem Referat „Europäische Verkehrsfra-gen“ sagte Staatssekretär Gustav Koenigs voraus, daß die europäische Wirtschafts-gemeinschaft

„innerhalb des europäischen Kontinents einen Güterkreislauf auslösen“

werde, der

„an die Verkehrsanlagen und Verkehrsmittel große neue Anforderungen“

stellen werde:

„Die europäischen Verkehrsanlagen werden sich bei der erweiterten Roh-stoffbasis und der planmäßigen Mobi-lisierung aller Arbeitskräfte darauf einrichten müssen, daß sie einen nie gekannten Verkehr bewältigen müssen …

Der Verkehr wird dazu berufen sein, ein tragender Pfeiler der europäischen Wirt-schaftsgemeinschaft zu werden und die äußere Organisation zu ersetzen, welche die europäische Wirtschaftgemeinschaft niemals haben wird.“

Koenigs betonte, daß die Deutsche Reichsbahn für alle anderen europäischen Staaten Vorbildcharakter habe, die an das Reich angrenzenden Länder müßten in einer künftigen europäischen Wirtschaftsgemein-schaft ihre Eisenbahnen auf die Höhe der deutschen Leistungsfähigkeit bringen.

Das vorzüglich ausgebaute deutsche Wasser-straßennetz stehe, wie Hitler in einer Erklä-rung vom 14. November 1936 verkündet habe, den Schiffen aller mit Deutschland in Frieden lebenden Nationen offen. In der Motorisierung sei Deutschland bis zum Jahr 1933 im internationalen Vergleich weit zurückgeblieben, aber seither sei es durch den Bau der Reichsautobahnen und die Entwicklung des Volkswagens durch Prof. Porsche im Straßen- und Kraftverkehr zur führenden Nation Europas geworden:

„Das deutsche Reichsautobahnnetz ist in einer Form angelegt, welche nach allen Seiten den Anschluß der benachbarten Staaten ermöglicht … Nach dem Kriege wird es die Aufgabe Deutschlands sein, die deutschen Reichsautobahnen zu einem europäischen Straßennetz zu erweitern.“

Dr. Reinhard Benning, Direktor bei der Reichs-Kredit-Gesellschaft Berlin, ging in „Europäische Währungsfragen“ zunächst auf das „Problem der Clearingsalden“ ein, was beinhaltete, daß Deutschland in den euro-päischen Nachbarländern in großem Stil auf Kreditbasis einkaufte. Benning stellte in Aussicht, daß Deutschland seine Schulden nach Kriegsende abbezahlen werde:

„Deutschland, das die Hauptlast des Kampfes gegen die angelsächsisch-bolschewistische Bedrohung des Kontinentalraumes zu tragen hat, benötigt für die Kriegführung einen ständigen Zustrom von Rohstoffen und sonstigen verfügbaren Gütern.

Die gesamte europäische Agrar- und Industriewirtschaft arbeitet mit ihren Produktionskapazitäten für den Kriegsbedarf und die Versorgung des Kontinentalraumes.

Die Auftragsverlagerung, ferner die Beschäftigung von mehr als 2 Millionen ausländischer Arbeitskräfte in der deutschen Volkswirtschaft, die ihrerseits wieder einen Teil ihrer in Deutschland bezogenen Einkommen nach ihren Heimatländern … transferieren – alle diese Vorgänge wirken zusammen, um steigende Reichsmarkguthabensalden fast aller europäischer Partner-länder in Berlin, d. h. für Deutschland Passiv-Clearingsalden gegenüber fast allen europäischen Ländern entstehen zu lassen.

In Höhe dieser Clearingsalden räumen die europäischen Partnerländer der deutschen Kriegswirtschaft
Lieferkre-dite ein …“

Benning betonte, daß dies aber nur ein Teil der Rechnung sei und man die Gesamtbilanz berücksichtigen müsse:

„Deutschland hat schon … vor Kriegs-ausbruch und seither in beträchtlichem Umfange Investitionsgüter und Pro-duktionsmittel gegen längere Kredit-fristen an die europäischen Partner-länder, insbesondere im Südosten, geliefert. Den deutschen Clearingpas-sivsalden stehen also beträchtliche Aktivsalden in der Kredit- und Kapitalrechnung gegenüber …

Entscheidend ist ferner der Hinweis, daß es für die deutsche Volkswirtschaft ein leichtes sein muß, nach dem Kriegsende durch Umstellung der riesigen deutschen Industrieproduktion auf Friedensbedarf die von den europäischen Partnerländern benötigten Industriewaren herzustellen, durch deren Ausfuhr dann die Clearing-passivsalden nicht nur abgebaut, son-dern sogar in deutsche Aktivsalden verwandelt werden können …“

Benning wandte sich anschließend Fragen einer künftigen Gestaltung des „europäischen Währungsgefüges“ zu, wobei der eine euro-päische Währungsunion als vorläufig nicht praktikabel ablehnte:

„Vorweg muß … mit allem Nachdruck … festgestellt werden, daß niemand an eine Beseitigung der währungspolitischen Selbstständigkeit der einzelnen europä-ischen Partnerländer zugunsten einer irgendwie gearteten europäischen Einheitswährung denkt.

Neben entscheidenden politischen Gesichtspunkten würde einer solchen „Währungsunion“-Idee insbesondere auch die Tatsache des starken Ein-kommensgefälles in Kontinentaleuropa entgegenstehen …

Die überstürzte Schaffung einer Einheits-währung müßte schon an diesen, die ganze Wirtschaftsstruktur der Partner-länder bestimmenden Einkommens- und Preisnieveauunterschieden, scheitern.“

Benning schwebte eine Konstruktion vor, wie sie Jahrzehnte später in der Europäischen Union unmittelbar vor der Einführung des Euro existieren sollte:

„Nicht von einer Einheitswährung, son-dern von einem organischen Gefüge aufeinander abgestimmter Partner-währungen ist also die Rede.“

Dr. Carl Clodius, Gesandter im Auswärtigen Amt, stellte in seinem Referat „Europäische Handels- und Wirtschaftsverträge“ eingangs fest, daß das Schicksal Europas wirtschaftlich von Deutschlande bestimmt werde.

Zwischen 1918/19 und 1923 habe das wirtschaftliche Chaos in Deutschland Auswirkungen auf ganz Europa gehabt, erst mit der Einführung der Rentenmark sei es in Deutschland und Europa ab 1924 wirtschaft-lich wederbergauf gegangen.

Die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft könne nicht durch große Konferenzen ge-schaffen werden, es sei vielmehr erforderlich, sie allmählich durch ein dichtes Netz bilate-raler Verträge und Vereinbarungen zu schaffen.

Alle europäischen Volkswirtschaften müßten vor außereuropäischen Mächten unabhängig bleiben.

Deutschland werde künftig innerhalb der europäischen Wirtschaftsgemeinschaft nur die Rolle eines „primus inter pares“ spielen:

„Eine wirklich befriedete europäische Wirtschaft kann nur entstehen durch die gemeinsame Zusammenarbeit, durch die freiwillige und freudige Mitarbeit aller beteiligten europäischen Nationen. Es kann nicht das Ziel eines Krieges sein, mit Zwang oder Gewalt gerade auf diesem Gebiet irgendetwas erreichen zu wollen …

Denn die Voraussetzung für das Gelingen ist die Überzeugung bei allen europäi-schen Partnern, daß eine solche Entwick-lung genauso in ihrem Interesse wie im deutschen Interesse liegt, daß sie damit nicht die Interessen irgendeiner Nation, sondern eine europäische Politik verfol-gen, die gleichzeitig auch dem Wohle des eigenen Landes dient.“

Den Schlußvortrag „Die Grundfrage: Europa – ein geographischer Begriff oder eine politi-sche Tatsache“ hielt wieder Prof. Heinrich Hunke. Bis zum Ersten Weltkrieg, so Hunke, war die angelsächsische Wirtschaftsauf-fassung vorherrschend, die besagte, daß der Freihandel das Fundament für den Wohlstand der Nationen sei.

Mit dem Aufstieg Englands und seines Welt-reiches und der Entstehung einer Weltwirt-schaft habe der alte Kontinent seine einst-mals führende Stellung in der Wirtschaft verloren, Europa sei zu einem rein geogra-phischen Begriff geworden.

Durch die Weltwirtschaftskrise von 1929 habe der angelsächsische Wirtschaftsliberalismus jedoch seine Vorherrschaft eingebüßt, viele kontinentaleuropäische Staaten, allen voran das nationalsozialistische Deutschland und das faschistische Italien, hätten nach neuen Wegen zur Gestaltung ihres Wirtschaftslebens gesucht und in verschiedenen Formen der Wirtschaftslenkung gefunden.

In einer künftigen europäischen Wirtschafts-gemeinschaft müssen nach Hunke drei Prinzipien gelten, die wirtschaftspolitisch geradezu revolutionären Charakter hätten:

– „An die Stelle des Individuums tritt das Volk“
– „An die Stelle des Weltmarktes tritt der Lebensraum“
– „An die Stelle des Kapitaldenkens tritt schließlich das Denken in Arbeit.“

Da Hunke als Gauwirtschaftsberater der NSDAP sich bemühte, offiziöse Positionen zu vertreten, ist seine Definition von Deutsch-lands „Lebensraum“ von besonderem Interesse:

„1. Einen ausreichenden Raum, um in geschlossener Siedlung in Europa leben und wachsen zu können,
2. die Zurückverlagerung des Schwer-punktes der deutschen Wirtschaft in den eigentlich staatlichen Raum,
3. die Anerkennung der Entwicklung einer festlandseuropäischen Wirtschafts-gemeinschaft, die sowohl eine Ausschöpfung der eigenen wirtschaftlichen Kräfte zuläßt als auch die gegenseitige Ergänzung durch die Wirtschaftsleistung befreundeter und im Ernstfall zugänglicher Nachbarstaaten sicherstellt und
4. den Ausbau eines kolonialwirtschaft-lichen Ergänzungsraumes …

Aus dieser Definition des Lebensraumes ergibt sich, daß der Lebensraum nicht mit dem Staatsraum identisch ist …

Durch diese Auffassung von Lebensraum wird zugleich das wirtschaftliche Verhält-nis zu den anderen europäischen Völkern eindeutig festgelegt, denn wenn wir den deutschen Lebensraum fordern, dann bejahen wir damit auch den Lebensraum fremder Völker.

Das Ziel des Denkens in Lebensräumen ist geradezu die Bildung einer neuen europäischen Ordnung, die allen Völkern ihren Lebensraum garantiert.“

Besonderen Wert legt Hunke darauf, daß das „Kapital“ künftig in seiner Bedeutung hinter die „Arbeit“ zurücktreten müsse; dies sei geradezu der „archimedische Punkt“ für den Aufbau einer neuen Wirtschaft in Europa:

„Die Erkenntnis, daß die Arbeit die Quelle allen Wohlstrandes ist, ist natürlich uralt und gar nicht neu. Diese Auffassung ist zu allen Zeiten vorhanden gewesen, sie ist nur in den letzten Generationen von einem verhängnisvollen Aberglauben, daß das Kapital über das Schicksal der Arbeit zu bestimmen habe, überschattet worden.“

Die europäische Wirtschaftsgemeinschaft werde grundsätzlich von „zwei Erscheinun-gen“ gekennzeichnet sein, nämlich der „Vollbeschäftigung“ und der „Deckung der lebensnotwendigen Güter aus dem eigenen Raum.“
S.193-202
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Aus der Reichstagsrede Adolf Hitlers vom 11. Dezember 1941:

„Denn … was ist Europa? Es gibt keine geographische Definition unseres Kon-tinents, sondern nur eine volkliche und kulturelle. Nicht der Ural ist die Grenze dieses Kontinents, sondern jene Linie, die das Lebensbild des Westens von dem des Ostens trennt.

Es gab eine Zeit, da warf Europa jenes griechische Eiland, in das nordische Stämme vorgedrungen waren, um von dort aus zum erstenmal ein Licht anzu-zünden, das seitdem langsam, aber
stetig die Welt des Menschen zu erhellen begann.

Und als diese Griechen den Einbruch der persischen Eroberer abwehrten, da ver-teidigten sie nicht ihre engere Heimat, die Griechenland war, sondern jenen Begriff, der heute Europa ist. Und dann wanderte Europa von Hellas nach Rom.“

 

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